Rudi Ratte zieht um – oder: Wie man mich charmant wieder los wird

Hallo, ich bin Rudi.

Rudi Ratte, Feinschmecker, Immobilienkenner und inoffizieller Qualitätsprüfer für Schrebergärten.

Mein Einzug damals? Reiner Zufall. Ich war auf der Durchreise, ein bisschen müde, ein bisschen hungrig – und dann kam ich an diesen Garten. Ein Ort, der mein kleines Rattenherz höherschlagen ließ. Ich dachte erst, ich hätte mich verlaufen und wäre in einem Restaurant gelandet.

Da stand er: der Komposthaufen.

Ein Duft wie aus einer italienischen Küche. Nudeln, Brot, sogar ein Hauch von… war das Fleisch? Ich musste nicht lange überlegen. Während ihr Menschen noch „nachhaltige Kreislaufwirtschaft“ sagt, denke ich einfach: „Buffet eröffnet.“

Ich meine – versteht mich nicht falsch – ich liebe guten Kompost. Aber das hier war kein Kompost. Das war ein Menü. Und ich bin kein Tier, das Einladungen ausschlägt.

Nachdem ich mich also ein paar Tage durchprobiert hatte, wurde mir klar: Hier bleibe ich.

Zumal ich kurz darauf die Vorratskammer entdeckt habe.

Ein kleines Gartenhäuschen, scheinbar harmlos. Doch innen: ein Paradies. Säcke mit Vogelfutter, Saatgut in Papiertüten, hier und da ein bisschen Tierfutter – alles hübsch verpackt, aber leider eher… symbolisch gesichert. Für mich war das, als hätte jemand die Tür offen gelassen und ein Schild aufgehängt: „Rudi, bedien dich.“

Ich fing an, mich einzurichten.

Und wie es sich für einen anständigen Bewohner gehört, suchte ich mir natürlich eine Immobilie mit Potenzial. Unter der Gartenlaube fand ich genau das: lockere Erde, ein paar Hohlräume, dazu ein charmantes Chaos aus Holz und alten Materialien in der Nähe. Sagen wir so – ich musste nicht viel renovieren. Es war sofort bezugsfertig.

Was viele unterschätzen: Ich brauche gar nicht viel Luxus. Ein bisschen Futter, ein Schluck Wasser hier und da – und genau das gab es ebenfalls reichlich. Offene Regentonnen, halbvolle Gießkannen… für euch vielleicht nur Kleinigkeiten, für mich der Unterschied zwischen „mal schauen“ und „ich ziehe ein“.

So wurde aus einem kurzen Besuch ein längerer Aufenthalt.

Ich hatte alles: Essen, Trinken, ein Dach über dem Kopf. Was will man mehr?

Tja. Dann wurdet ihr aufmerksam.

Am Anfang war ich noch entspannt. Menschen reden viel, dachte ich mir. „Wir müssen was gegen die Ratten tun“ – ja, ja, hört man öfter. Aber dann… passierte etwas Ungewöhnliches.

Der Kompost veränderte sich.

Plötzlich roch er… langweilig. Keine Nudeln mehr, kein Brot, nichts Gekochtes. Nur noch das Zeug, das da eigentlich hingehört. Ich war ehrlich gesagt irritiert. Ich stand davor und dachte: „Hab ich den falschen Garten erwischt?“

Gut, dachte ich, kein Problem – dann eben ins Gartenhaus.

Aber da traf mich der nächste Schlag: Alles dicht. Metallbehälter. Deckel. Keine Chance. Ich hab geschoben, gekratzt, genagt – nichts. Als hätte jemand plötzlich verstanden, wie ich arbeite. Frechheit.

Und als wäre das nicht genug, wurde auch noch das Wasser knapp.

Die Tonnen waren abgedeckt, die Kannen leer oder umgedreht. Ich lief meine üblichen Routen ab und merkte langsam: Das hier kippt.

Der finale Stoß kam mit der Ordnung.

Holzstapel verschwanden oder wurden sauber gelagert, Hohlräume geschlossen, der Boden unter der Laube war plötzlich… unangenehm stabil. Mein schönes Zuhause fühlte sich auf einmal nicht mehr wie Zuhause an.

Ich saß eines Abends vor meinem ehemaligen Lieblingskompost, der jetzt keiner mehr war, und musste mir eingestehen:

„Rudi, das war’s.“

Kein Drama, kein Gift, keine großen Fallen.

Einfach nur… unattraktiv geworden.

Und genau das ist das Geheimnis, auch wenn ich es nur ungern zugebe: Wir Ratten sind keine Helden. Wir sind Opportunisten. Wir bleiben nur da, wo es sich lohnt. Nimm uns Futter, Wasser und Unterschlupf – und wir suchen uns eben jemanden, der nachlässiger ist.

Also, wenn du mich wirklich loswerden willst, dann mach deinen Garten einfach ein bisschen langweiliger für mich. Kein Buffet im Kompost, keine offenen Vorräte, kein gemütliches Chaos.

Langweilig ist für euch vielleicht schade.

Für mich ist es ein klarer Grund zu gehen.

…aber nur unter uns:

Ein paar Nudeln auf dem Kompost – und ich prüfe die Lage gern nochmal.

Schreibe einen Kommentar