Nachhaltig, keimsicher und pflanzenverträglich
Torf steht seit Jahren in der Kritik. Sein Abbau zerstört Moorökosysteme, setzt große Mengen CO₂ frei und gefährdet seltene Lebensräume. Für die Anzucht von Gemüse und Blumen ist Torf zudem nicht zwingend notwendig. Mit den richtigen Komponenten lässt sich eine leistungsfähige, torffreie Anzuchterde problemlos selbst herstellen.
Warum Anzuchterde nährstoffarm sein sollte
Keimlinge benötigen in den ersten Tagen kaum externe Nährstoffe. Sie zehren von den Reserven im Samen. Ein zu hoher Nährstoffgehalt führt häufig zu:
- Salzstress
- schlechter Wurzelbildung
- Umfallkrankheit (Pilzbefall)
- vergeilten, instabilen Pflanzen
Eine gute Anzuchterde ist daher:
- nährstoffarm
- luftig
- strukturstabil
- feinkrümelig
- frei von Krankheitserregern
Geeignete torffreie Bestandteile
1. Kokosfaser (Kokosquellsubstrat)
- gute Wasserhaltefähigkeit
- strukturstabil
- nahezu nährstofffrei
- pH meist leicht sauer (ideal für Keimlinge)
2. Perlit
- vulkanisches Gestein
- verbessert Luftführung
- verhindert Verdichtung
- reduziert Staunässe
3. Optional: Wurmhumus (für Pikiererde)
- mild vorgedüngt
- mikrobiell stabil
- deutlich verträglicher als Kompost
Grundrezept: Torffreie Anzuchterde (pro 1 Liter)
- 670 ml Kokosfaser
- 330 ml Perlit
- keine Zusätze
Diese Mischung ist für nahezu alle Gemüse- und Blumensaaten geeignet.
Erweiterung: Torffreie Pikiererde (nach dem Keimen)
Sobald die Pflanzen 1–2 echte Laubblätter gebildet haben, kann der Nährstoffgehalt leicht erhöht werden:
- 600 ml Kokosfaser
- 300 ml Perlit
- 100 ml Wurmhumus (ca. 10 Vol.-%)
Alternativ: sehr reifer, fein gesiebter Kompost in gleicher Menge. Kompost sollte jedoch salzarm und vollständig umgesetzt sein.
Was man vermeiden sollte
- frischen oder halbreifen Kompost
- Kaffeesatz in der Anzucht
- organische Dünger wie Hornmehl oder Animalin direkt im Keimsubstrat
- hohe Kompostanteile (>10 %)
Diese erhöhen das Risiko von Schimmel und Wachstumsstörungen.
pH-Wert und Bewässerung
Der ideale pH-Wert für die Anzucht liegt zwischen 5,5 und 6,5.
Gegossen wird moderat – die Oberfläche darf leicht antrocknen. Dauerfeuchte ist die häufigste Ursache für Probleme.
Vorteile torffreier Anzuchterde
- Klimaschutz durch Verzicht auf Moorabbau
- bessere Strukturstabilität
- individuell anpassbar
- geringeres Risiko von Überdüngung
- kostengünstig bei größeren Mengen
Fazit
Torffreie Anzuchterde ist keine Kompromisslösung, sondern fachlich sinnvoll. Entscheidend ist nicht der Torfanteil, sondern die Struktur, Luftführung und Nährstoffarmut. Wer Keimphase und Wachstumsphase trennt, erhält stabile, kräftige Jungpflanzen.
Quellen
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG): Jungpflanzensubstrate
- Royal Horticultural Society (RHS): Seed sowing compost guidance
- Umweltbundesamt: Torfreduktion im Gartenbau
- LfL Bayern: Kompost im Erwerbsgartenbau