Ich bin der Erste hier.

Noch bevor die Sonne sich hinter dem milchigen Himmel zeigt, sitze ich oben in der alten Birke und überblicke euer kleines Reich. Alles ist still. Der Schnee hat die Beete zugedeckt wie eine schwere Decke, ordentlich und gnädig zugleich. Selbst die Bögen aus Metall wirken plötzlich weich, als hätten sie ihre Strenge für den Winter abgelegt.

Ich kenne diesen Garten in allen Jahreszeiten. Ich weiß, wo im Sommer die Tomaten duften und wo die Erde nach frischem Kompost riecht. Jetzt aber riecht alles nach Frost – klar, fast metallisch. Unter der weißen Schicht schlafen Samen, Wurzeln, Regenwürmer. Ihr nennt es Winterruhe. Für mich ist es ein Versprechen.

Zwischen den verbliebenen Staudenständen finde ich noch Samen. Die trockenen Blütenköpfe ragen wie kleine Türme aus dem Schnee. Ein gedeckter Tisch für Vögel wie mich. Ihr habt sie stehen lassen. Gut so. Der Garten vergisst seine Freunde nicht.

Manchmal knackt es leise unter der Schneelast. Ein Ast gibt nach. Sonst nichts. Kein Spaten, kein Lachen, kein Rascheln von Gießkannen. Nur meine Spuren ziehen sich wie Schriftzeichen über die weiße Fläche. Ich schreibe in Schnee, was bald wieder grün sein wird.

Ich warte.

Bald wird die Sonne höher steigen. Das Weiß wird weichen. Unter den Bögen werden wieder Pflanzen klettern, und ihr werdet kommen – mit Plänen, mit Saatgut, mit Hoffnung.

Bis dahin halte ich Wache.

Euer Garten schläft.

Aber ich sehe schon den Frühling.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert